Pregnant mare`s urine, oder abgekürzt PMU oder auf deutsch: Urin von tragenden Stuten.
„Aus einer natürlichen Quelle stammend.“ So bezeichnet der Hersteller in der Verpackungsbeilage die Herkunft ihres Medikaments „Premarin.“
Presomen ist das in Deutschland am häufigsten verschriebene Östrogenpräparat und wird zur Zeit von ca. 1 Million Frauen eingenommen. Das Präparat wird in Hannover hergestellt.
Dass es sich bei der „natürlichen Quelle“ um ca. 75 000 Stuten handelt, die in rund 600 PMU- Farmen in den USA und Kanada, beinahe ihr ganzes Leben zusammengepfercht in Massentierfarmen in Kanada und den USA verbringen müssen, wird nicht erwähnt. Bei Frauen lassen sich mit dem Medikament Premarin unangenehme Störungen und Gewebeveränderungen bekämpfen, die in den Wechseljahren aufgrund der reduzierten körpereigenen Produktion des Hormons Östrogen auftreten.
Weltweit wird zu 80% das Medikament Premarin, auch Presomen genannt, verschrieben. Zur Gewinnung des Grundstoffes für dieses Produkt müssen die Stuten trächtig sein. Während sieben Monaten (Oktober-April) der elf Monate dauernden Tragezeit werden die Stuten Tag und Nacht im Stall angebunden, damit der begehrte östrogenreiche Urin in einer fest an ihr Hinterteil gepressten Vorrichtung aufgefangen werden kann.
Die Stuten sind in Ständern völlig eingeengt, die Stuten können nicht mehr als einen Schritt oder zwei Schritte in irgendeine Richtung machen, können sich nicht bequem hinlegen, noch sich auf die Seite rollen oder ihren Kopf auf den Boden legen und ruhen. Die Größe des Ständers beträgt 1,5 mal 2,4 Meter.
Viele PMU- Stuten müssen vorzeitig geschlachtet werden. Der Hauptgrund hierfür liegt im Bewegungsmangel, der zu Schäden an den Gliedmassen führt. Viele Tiere weisen an den Flanken unversorgte Wunden auf, entzündete Augen, Beine und Unterleib sind oft von Flüssigkeitsaufbau geschwollen. Auf einigen PMU-Farmen kümmert man sich so wenig um die Stuten, dass diese praktisch wieder zu Wildtieren und so scheu geworden sind, dass sie Menschen, die sich ihrer Box nähern, ausweichen.
Im amerikanischen Werbematerial der Firma wird behauptet, dass die „Stuten hochgeschätzt sind und gut versorgt werden“ und man zitiert den Empfohlenen Praxiskodex für die Pflege und Handhabung von Pferden in PMU-Betrieben als Beweis für die ausgezeichnete Pflege. Leider verfügt der Praxiskodex über geradezu rührend niedrige Standardanforderungen, ist rein freiwillig und wird bestenfalls ganz locker gehandhabt bzw. umgesetzt.
Damit möglichst hoch konzentrierter Urin ausgeschieden wird, erhalten die Pferde Trinkwasser nur in kleinen Mengen. Dadurch entstehende Nieren- und Leberschäden können ebenfalls zum frühzeitigen Tode der Pferde führen. Nach Aussagen der Inspektoren des US-Amerikanischen Landwirtschaftsministeriums werden die Farmer ermutigt die Trinkwassermenge drastisch zu reduzieren. Die Trinkwasser-Versorgung ist ein anderes besorgniserregendes Thema.
Der Gebrauch von Wasser ist auf einer PMU-Farm streng limitiert. Nur wenige Stuten erhalten die in Wyeth`s Praxiskodex angegebene Menge Wasser.
Der Preis für einen Liter östrogenreichen Urins beträgt ca. 4-5 Dollar.
Presomen ist eines der Produkte auf dem Markt, das unter grausamsten Bedingungen hergestellt wird. Fohlen gelten als unerwünschte Nebenprodukte dieser grausamen Ausbeutung der Stuten. Die meisten der ca. 75 000 Fohlen, die jedes Jahr geboren werden, nimmt man der Mutter schon nach 4 Monaten weg, um sie an einer Auktion an Fleischhändler zu verkaufen. Andere werden auf der Farm gemästet und später direkt ins Schlachthaus gebracht. Bedauerlicherweise wird von Ärzten und Apotheken viel zu wenig darauf hingewiesen, dass es auch pflanzliche Mittel gibt, deren Herstellung keine Stuten auf solch eine grauenhafte Weise leiden lässt.
Es muss aufgeklärt werden, dass es auch Alternativen gibt, aber leider verschreiben viele Ärzte trotzdem Presomen.
Es wurde ein Infoschreiben mit Unterschriftenliste erstellt. Dies kann z.B. in Reitställen aufgehängt werden. Sie können es hier herunterladen.
Die Präparate Premarin®, Premarin® plus, Cyclo-Premella® und Premella® enthalten konjugierte Östrogene, die aus dem Harn von trächtigen Stuten gewonnen werden. Es wird angenommen, dass diese konjugierten Östrogene sehr ähnliche pharmakologische Wirkungen wie im menschlichen Körper gebildete Östrogene besitzen. Mehr noch: die weitaus meisten Frauen, auf die sich die heute verfügbaren Daten aus Fall-Kontroll- und Kohortenstudien zur Wirkung der Östrogene beziehen, haben Premarin® eingenommen. Die Wyeth-Ayerst-Branche der Firma American Home Products besitzt das Monopol der Herstellung von konjugierten Östrogenen aus Stutenharn. Diese Firma ist in den letzten Jahren insbesondere wegen Fragen der Tierhaltung unter Beschuss gekommen. In den folgenden Abschnitten findet sich eine chronologisch gegliederte Zusammenfassung der entsprechenden Fakten.
1994/95: Kritik und Inspektion Ende Januar 1995 wurden im Deutschen Fernsehen Videofilme gezeigt, die 1994 von einer Tierschutzorganisation in einer kanadischen Pferdefarm gedreht worden waren. Der Rohstoff für die Herstellung der Östrogene, «Pregnant Mare Urine» (PMU), wird nämlich jährlich während rund sechs Monaten auf grossen Pferdefarmen eingesammelt. Die Aufnahmen liessen annehmen, dass die Lebensbedingungen der Stuten dem von der Firma geforderten «Code of Practice» mindestens teilweise nicht entsprachen. In der Folge machte auch die Schweizer Laienpresse tierschützerische Bedenken der Öffentlichkeit bekannt. Die wichtigsten damals vorgebrachten Kritikpunkte lassen sich folgendermassen umreissen:
Die Stuten werden in den PMU-Farmen während sechs Monaten (November bis Mai) im Ständer (Stallabteil für am Kopf angebundene Pferde) «on line» gehalten, ohne dass ein täglicher Auslauf garantiert wäre.
Die Grösse des Ständers liegt in diesen Farmen mit 1,5 auf 2,4 m Grösse entscheidend unter dem in der Schweiz vorgeschriebenen Mindestmass von 1,65 auf 3 m.
Die Fohlen werden nur während 3 bis 4 Monaten gesäugt (natürliche Laktation mindestens 1 Jahr!) und dann vom Muttertier entfernt.
Um eine hohe Hormonkonzentration im Harn zu erreichen, wird die Trinkmenge für die Stuten eingeschränkt.
Kritisiert wurde ausserdem die Tatsache, dass die Mehrheit der Fohlen verhältnismässig jung geschlachtet wird.
Im Laufe des Jahres 1995 erhielten Schweizer Gynäkologen und Gynäkologinnen verschiedene Briefe der interessierten Firmen und Gruppen: Hinweise auf andere Östrogenpräparate (nicht-tierischen Ursprungs), eine Stellungnahme der Schweizer Liga gegen Vivisektion und, von der Firma Wyeth, wissenschaftliche Unterlagen zur Wirkung der Östrogene, Berichte über das hohe Niveau der Tierhaltung in den PMU-Farmen sowie eine Stellungnahme, in der die erwähnte Tierschutzorganisation als «Leute mit radikalen Ansichten» bezeichnet wurde.
1995 wurde aber auch eine Inspektion von 32 (der über 450) PMU-Farmen in drei kanadischen Provinzen durchgeführt. An dieser Inspektion, die vom «Canadian Farm Animal Care Trust» (CANFACT) organisiert wurde, waren 12 Pferdefachleute aus verschiedenen Ländern beteiligt. Es fanden sich mehrere verbesserungsbedürftige Mängel; gemäss einem Rapport des CANFACT konnten sich die Experten aber in verschiedenen Punkten nicht einigen. Jedenfalls wurden alle individuellen Berichte der Firma Wyeth-Ayerst vorgelegt und eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen angebracht.
1996/97: Weitere Inspektionen & Verbesserungen Im November 1996 besuchten drei Pferdeärzte als Vertreter verschiedener Organisationen nochmals 25 PMU-Farmen. Im Mai 1997 wurde dazu ein «Consensus Report» der Tierärzte erstattet, der unter anderem zu den folgenden Schlussfolgerungen kam:
Ein Teil der nach der früheren Inspektion (1995) empfohlenen Verbesserungen wurde realisiert. Insbesondere werden die Farmen jetzt regelmässig von Tierärzten besucht.
Zu zwei Problemen - das Tränken und die Bewegung der Tiere - sollte weiterhin vordringlich nach besseren Lösungen gesucht werden.
Ödeme der Hinterbeine und Verletzungen, die schon bei der ersten Inspektion bei mehreren Stuten festgestellt worden waren, konnten erneut beobachtet werden und sollten durch Änderungen der Ständer und Böden reduziert werden.
Der empfohlene «Code of Practice», eine Sammlung von freiwilligen Leitlinien zur Tierhaltung, wird «im allgemeinen» gut eingehalten.
Die an den PMU-Farmen interessierten Kreise - neben den Herstellern von Premarin® die Farmer und Tierärzte - bemühen sich jetzt, das beschädigte Image der PMU-Farmen zu reparieren. Es werden jetzt offenbar vermehrt Fohlen aufgezogen, damit nicht mehr so viele geschlachtet werden müssen. Wyeth-Ayerst hat eine Forschungsfarm eingerichtet, die dazu dient, Methoden der Tierhaltung zu testen, die das Schicksal der Tiere verbessern könnten. Nach einem Bericht hat die Firma auch ihre Stutenharn-Ankaufspolitik so verändert, dass es nicht mehr notwendig ist, möglichst konzentrierten Harn zu produzieren.
So kann nicht bezweifelt werden, dass eine Anzahl Verbesserungen erreicht worden ist. Unabhängige Pferde-Fachleute sind aber auch heute noch der Meinung, die Tierhaltung in den PMU-Farmen entspreche nicht einem wirklich tiergerechten Standard. Zu kleine Ständer, zu wenig Auslauf und häufig auch inadäquate Böden sind Bedingungen, die nicht zu Unrecht als «grausam» charakterisiert werden.
Alternativen Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, die bisherigen (noch unvollständigen) Erkenntnisse zur Wirkung der Hormonersatztherapie liessen sich generell auf Östrogene (z.B. auf «konjugierte» Östrogene pflanzlichen Ursprungs oder einfach auf Estradiol) anwenden, so ist es einfach, Alternativen für Premarin® zu finden. Diese Alternativen sind zwar teilweise teurer (transdermale Applikation!), scheinen jedoch prima vista dieselben Eigenschaften wie Premarin® aufzuweisen. Zwei Tatsachen dürfen aber nicht übersehen werden:
Keines der anderen Östrogenpräparate (auch nicht solche mit «konjugierten» Östrogenen) ist chemisch mit Premarin® identisch. Die drei in der Schweiz erhältlichen Präparate, die «konjugierte» Östrogene pflanzlichen Ursprungs enthalten (Conjugen®, Oestro-Feminal® und Transannon®), werden aus Soja- oder Yamswurzel-Steroiden hergestellt. Die Transannon®-Wirkstoffe sind ein Gemisch der Natriumsalze von sulfonkonjugierten Estern natürlicher Östrogene vom Typ, wie sie von trächtigen Stuten ausgeschieden werden. Die Hauptbestandteile sind Östron (58%), Equilin (27%) und 17a-Dihydroequilin (16%) sowie verschiedene Östradiol- und Equilenin-Verbindungen.
Fast alles, was wir über Östrogene wissen, beruht überwiegend auf der Anwendung von Premarin®. (Weltweit nehmen noch heute rund 80% der Frauen mit Östrogensubstitution Premarin® oder ein anderes Präparat der Firma Wyeth-Ayerst.) 1997 unterbreitete Wyeth-Ayerst den amerikanischen Gesundheitsbehörden (FDA) Daten, wonach ein Bestandteil von Premarin®, nämlich das D8,9-Dehydroestron, wahrscheinlich für die Wirkung des Arzneimittels mitverantwortlich sei. Bei dieser Verbindung handelt es sich um eine von zehn Komponenten der «konjugierten» Östrogene, die in Premarin® enthalten sind. Mit dieser Aktion gelang es der Firma, die Einführung einer synthetischen Premarin-Nachahmung (die D8,9-Dehydroestron nicht enthält) in den USA zu verhindern.
Die Frage, ob eine Östrogensubstitution besser mit den Östrogenen erfolgt, die mit den humanen Hormonen identisch sind oder ob die im Stutenharn enthaltenen Pferdehormone relevante Vorteile aufweisen, ist völlig ungelöst. Diese Frage wird auch von den Untersuchungen der Women’s Health Initiative nicht gelöst werden, da in diesen Studien ausschliesslich Premarin® verwendet wird. Dieser Umstand gefährdet übrigens zusätzlich diese äusserst wichtigen Studien, da in den USA zum Boykott von Premarin® aufgerufen wird.
Schlussfolgerungen Auch heute noch muss die in den PMU-Farmen angewandte Pferdehaltung als nicht artgerecht bezeichnet werden. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Daten zur Östrogensubstitution mit Premarin® gewonnen wurde, ist denkbar, dass andere Östrogene genau die gleichen Effekte erreichen. Frauen, die nach der Menopause Hormone erhalten, sollten über die Natur der verfügbaren Präparate genau informiert werden.
Auf Youtube kann man das Grauen, das die Stuten erleben müssen sehen: